Hilfreiche Entscheidungen treffen

Hilfreiche Entscheidungen treffen

Ich möchte euch heute einladen, einmal zu schauen, ob ihr vielleicht Entscheidungen zu treffen habt, die euch vielleicht schwerfallen, die ihr mit euch herumtragt, vielleicht wegschiebt, vertagt…
In unser aller Alltag haben wir viele Entscheidungen zu treffen, manchmal sind es kleine, manchmal größere Entscheidungen, manchmal haben die Entscheidungen, die wir treffen wenig, manchmal mehr Konsequenzen…

Entscheidungen, die uns vielleicht schwer fallen, können ein gutes Übungsfeld für unsere Achtsamkeitspraxis sein. Wir neigen oftmals dazu, Entscheidungen so zu fällen, indem wir das Für und Wider im Kopf hin- und herbewegen, das kann sinnvoll sein, es fehlt dabei aber oftmals das Hin-und herbewegen in unserem Herzen.
Bei Entscheidungen, die uns schwer fallen, sind oftmals Gefühle mit im Spiel, Gefühle, die uns vielleicht nicht unbedingt so klar bewusst sind, wenn diese Gefühle kenen Raum haben, dann kreisen unsere Gedanken oftmals im Kopf und wir kommen zu keiner Entscheidung… vielleicht wird es immer enger, wir machen es uns immer schwerer, es wird anstrengender…dann wollen wir vielleicht die Entscheidung verschieben, nicht mehr entscheiden müssen…..vielleicht lenken wir uns ab, wollen nicht mehr dran denken….
Denken dann wieder die Argumente hin und her…das Kreisen geht weiter… usw.

Es kann hilfreich sein, die Gefühle wahrzunehmen, die vielleicht mit im Spiel sind, und sich zu Fragen, „Was brauche ich gerade jetzt?“, das klingt vielleicht erstmal ungewöhnlich, bringt es uns doch erstmal zu keiner Entscheidung :-). Wenn wir unsere Achtsamkeit darauf lenken, fürsorglich mit uns umgehen, kann das den engen Raum wieder öffnen, und wir kommen heraus aus der Spirale von Denken und Anstrengung.

Ich möchte dazu gerne den Prozess einer Entscheidung mit euch teilen, der mich vor einigen Jahren lange begleitet und angestrengt hat:
Ich hatte eine Arbeitsstelle, die mir gefallen hat, es gab schwierige Kolleginnen, die aber beide in Elternzeit waren, so dass ich an dieser Stelle erstmal Ruhe hatte 🙂
Nun wurde mir eine andere Stelle angeboten, in einem anderen Standort, bei der gleichen Firma, die Arbeit sollte auch die gleiche sein. Ich kannte den Standort, weil es in der Nähe meiner alten Heimat war und ich mochte die Gegend sehr und hatte dort auch noch Kontakte. Ich hätte allerdings zumindest die Hälfte der Woche dort vor Ort wohnen müssen, weil der Standort doch recht weit weg war.
Nun gingen die Gedanken los…“Wenn die Kolleginnen wiederkommen, habe ich keine Ruhe, da ist es besser, ich nehme das Angebot an…ich könnte auch dort eine gute Wohnung finden, ok, ich müsste viel fahren aber jetzt fahre ich auch viel,…usw. usw….
Ich dachte und dachte, und da mein Mann ebenfalls eine neue Stelle in einer anderen Stadt annehmen sollte, war es mir irgendwann ganz klar, „Ich mache das und es ist sogar ein toller Zufall und ich freue mich darauf, eine feste Stelle und auch noch gut bezahlt, was will man mehr“.
Irgendwie war es aber doch nicht gut, ich dachte und dachte immer weiter….
Irgendwann merkte ich, dass ich mich mit den ganzen Argumenten geradezu selbst überzeugen wollte 🙂 Mein Standardsatz war: „Ist doch alles kein Problem!“
Ich versuchte da mehr hinzuspüren, „Was war das nur, dass ich mich so festbiss in den Gedanken?“
Nach einiger Zeit (es braucht wirklich Geduld, so einen Prozess mit Achtsamkeit zu begleiten…), ich wusste schon nicht mehr weiter, weil der Tag der Entscheidung immer näher kam (die Stelle wäre sonst weg gewesen, wenn ich die Deadline nicht eingehalten hätte), ich verfluchte durchaus die Achtsamkeit :-), versuchte aber, so gut es ging, dranzubleiben. Iich hatte mir vorgenommen, bei jeder formalen Sitzmeditation zu Beginn ein paar Minuten zu schauen und zu reflektieren: „Was ist gerade jetzt?, Was brauche ich jetzt, wenn ich an die Entscheidung denke?“
Nach und nach, – es waren kleine, leise Wahrnehmungen, kleine Schritte….- bemerkte ich, dass ich mich da, wo ich wohnte sehr wohl fühlte und dort mein zu Hause war, ich merkte die Anstrengung, wenn ich daran dachte, so viel zu fahren, ich merkte aber auch, wie sehr mir Sicherheit wichtig war, eine unbesfristete Stelle, das war mir wichtig. Die Gefühle von Abschied und Sehnsucht, Anstrengung, Unsicherheit durften sein und die Gedanken wurden freundlicher – der Entscheidung und mir selbst gegenüber (Es hörte auf, dass ich dachte: “ Du kriegst es nicht hin, dich zu entscheiden“). Ich konnte verstehen, warum mir die Entscheidung so schwer fiel …das war sehr hilfreich! Ich merkte, dass ich noch einige Verhandlungen führen wollte, um für mich zu sorgen.
Es wurde immer klarer, dass es jetzt darum ging, für mich Wichtiges auszuhandeln mit meinem Arbeitgeber, sollte es da zu keiner Übereinkunft kommen, würde ich die Stelle nicht annehmen Als das klar war, war ich sehr erleichtert, ich merkte, dass Angst kam („Ist das ok, dass ich fordere, kann ich das machen, etc.?“), die Angst gehörte dazu, für mich gut zu sorgen, das war klar und diese Erkenntnis hat mir sehr geholfen in den Verhandlungsgesprächen. Ich merkte auch, dass der Arbeitgeber meine Forderungen nicht erfüllen musste, diese Erkenntnis hat auch sehr geholfen, ich konnte fragen, wenn es nicht klappte, dann würde ich ablehnen, wenn es klappte, dann würde ich annehmen. Es war kein Groll gegenüber dem Arbeitgeber, es war einfach so, wie es war….
Ich habe schlussendlich die Stelle angenommen, es gab eine Übereinkunft.
Der Schlüssel in diesem ganzen Prozess war für mich, die Achtsamkeit genau dahin zu lenken, wo es unangenehm war, zu reflektieren, immer wieder zu schauen: „Ok, ich lade die unangenehmen Gefühle ein, nicht gerne und möglichst auch nicht immer lange :-, aber ich tue es, solange, wie es nötig ist, klar zu sehen, was los ist!“
Das hat mich davor bewahrt, eine überstürzte Entscheidung zu treffen, und vielleicht später zu bereuen….
Vielleicht mögt ihr in dieser Woche einmal schauen, wo es vielleicht Entscheidungen gibt, die schwierig sind, die mehr Achtsamkeit, Geduld und Fürsorge brauchen. Vielleicht mögt ihr schauen, „Was brauche ich jetzt?“ und prüfen, ob das etwas verändert…

Ich wünsche euch eine spannende Zeit mit viel Freundlichkeit euch selbst gegenüber.
von Herzen

Christina

Christina Sprenger

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