Klar sehen ….

Klar sehen ….

Achtsamkeit zu üben, eine stabile Übungspraxis zu erlangen, kann mitunter mühsam sein, kann uns Phasenweise zweifeln lassen…. Es braucht Zeit und Geduld, um zu erkennen, wie Achtsamkeit wirkt, wie anders es ist, wenn ich mit Achtsamkeit unterwegs bin. Achtsamkeit wird auch bezeichnet als „Klar sehen“, alle Aspekte zu sehen – wahrzunehmen, welche Bedingungen bei mir selber wirken (bin ich gestresst, bin ich zufrieden, bin ich müde, etc.) und welche Umstände und Rahmenbedingungen in der momentanen Situation gegeben sind (kann ich was ändern oder nicht, wer begegnet mir wie, welchen Einflüssen bin ich unterworfen, bin ich allein oder mit anderen, mit wem, etc.) , also genau zu erforschen und zu untersuchen: „Was ist gerade jetzt?“ Und vor allem auch zu sehen, dass ich immer nur einen Auschnitt sehe, dessen, was gerade geschieht… je nachdem, wie es mir geht, was meine Erfahrungen bisher waren, etc.

Leo Tolstoi hat es so schön auf den Punkt gebracht: „Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, wir sehen sie so, wie wir sind“.

Zur Verdeutlichung, wie ich mit Achtsamkeit unterwegs sein kann, folgt hier eine kleine Geschichte für euch.

Die Blinden und der Elefant

Es waren einmal fünf weise Gelehrte. Sie alle waren blind. Diese Gelehrten wurden von ihrem König auf eine Reise geschickt und sollten herausfinden, was ein Elefant ist.

Und so machten sich die Blinden auf die Reise nach Indien. Dort wurden sie von Helfern zu einem Elefanten geführt. Die fünf Gelehrten standen nun um das Tier herum und versuchten, sich durch Ertasten ein Bild von dem Elefanten zu machen.

Als sie zurück zu ihrem König kamen, sollten sie ihm nun über den Elefanten berichten.

Der erste Weise hatte am Kopf des Tieres gestanden und den Rüssel des Elefanten betastet. Er sprach: „Ein Elefant ist wie ein langer Arm.“

Der zweite Gelehrte hatte das Ohr des Elefanten ertastet und sprach: „Nein, ein Elefant ist vielmehr wie ein großer Fächer.“

Der dritte Gelehrte sprach: „Aber nein, ein Elefant ist wie eine dicke Säule.“ Er hatte ein Bein des Elefanten berührt.

Der vierte Weise sagte: „Also ich finde, ein Elefant ist wie eine kleine Strippe mit ein paar Haaren am Ende“, denn er hatte nur den Schwanz des Elefanten ertastet.

Und der fünfte Weise berichtete seinem König: “ Also ich sage, ein Elefant ist wie eine riesige Masse, mit Rundungen und ein paar Borsten darauf.“ Dieser Gelehrte hatte den Rumpf des Tieres berührt.

Nach diesen widersprüchlichen Äußerungen fürchteten die Gelehrten den Zorn des Königs, konnten sie sich doch nicht darauf einigen, was ein Elefant wirklich ist.

Doch der König lächelte weise: „Ich danke Euch, denn ich weiß nun, was ein Elefant ist: Ein Elefant ist ein Tier mit einem Rüssel, der wie ein langer Arm ist, mit Ohren, die wie Fächer sind, mit Beinen, die wie starke Säulen sind, mit einem Schwanz, der einer kleinen Strippe mit ein paar Haaren daran gleicht und mit einem Rumpf, der wie eine große Masse mit Rundungen und ein paar Borsten ist.“

Die Gelehrten senkten beschämt ihren Kopf, nachdem sie erkannten, dass jeder von ihnen nur einen Teil des Elefanten ertastet hatte und sie sich zu schnell damit zufriedengegeben hatten.

Quelle: nach Mowlana

Ich wünsche euch Neugier, Achtsamkeit in eurem Alltag zu entdecken, wo immer ihr seid und was immer auch kommen mag

von Herzen Christina.


Christina Sprenger

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